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Thomas Kasselmann
Fächer: ,,Turnen, Rechnen, Heimatkunde‘‘ (Sport, Mathe, Erdkunde)


Warum sind Sie Lehrer geworden?
Originelle Frage! Nun, zunächst habe ich in meiner Jugend viel Sport gemacht, vor allem Handball, aber auch Leichtathletik. Da kommt man über kurz oder lang dazu, auch im Jugendtraining als Übungsleiter zu arbeiten. Mir hat der Umgang mit Kindern und Jugendlichen schon von Beginn an sehr viel Spaß gemacht und so entwickelte sich nach und nach der konkrete Berufswunsch „Lehrer“. Aber vermutlich bin ich ein Stück weit auch familiär vorgeprägt, denn mein Vater war ebenfalls Lehrer und hat mich als kleinen Pimpf schon früh mit in die Schule zu den „Großen“ mitgenommen. Wie dem auch sei, mit dem Abitur stand für mich dann fest: Ich will Lehrer werden! Aber an Schulleitung habe ich damals überhaupt nicht gedacht – ich wollte unterrichten.
Aber wie das dann so ist - als Lehrkraft ist man früher oder später über seine Fächer, über einen Fachvorsitz oder über außerfachliche Kontexte auch in Schulentwicklung involviert. Das ist nicht über Nacht gekommen, aber ich habe im Laufe der Zeit festgestellt, dass mich dieser Bereich von Schule auch und zunehmend interessiert. Und nachdem ich über die Jahre in verschiedenen Funktionsbereichen Verantwortung übernommen hatte, wurde ich von der damaligen Schulleiterin, Frau Berghoff, gefragt, ob ich mir nicht vorstellen könne, mich auf das in absehbarer Zeit vakant werdende Amt des stellvertretenden Schulleiters zu bewerben. Konnte ich – allerdings erst nach einer Zeit reiflicher Überlegung. Nachdem Frau Berghoff 2010 als Dezernentin zur Bezirksregierung Arnsberg wechselte, war es für mich dann letztlich eigentlich ein logischer Schritt, mich auf die freiwerdende Schulleiterstelle zu bewerben. Diese Entscheidung hatte aber auch sehr viel mit dem Freiherr-vom-Stein-Gymnasium selbst, seinen Schülern, seinen Lehrern sowie dem Umfeld zu tun. Ich glaube nicht, dass ich mich an einer anderen Schule beworben hätte, nur um irgendwie endlich Schulleiter zu werden.

Was war/ist ihr eigentlicher Traumberuf?
Das entwickelt sich ja wirklich ernsthaft eigentlich erst, wenn man Jugendlicher ist und anfängt zu überlegen, was man nach dem Abitur so machen könnte. Als Knirps hatte ich in munterem Wechsel alle möglichen Berufswünsche – natürlich auch das, was Jungs immer werden wollen: Lokomotivführer, Geheimagent, Baggerfahrer, Feuerwehrmann und ganz lange Zeit auch Pilot.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
Da könnte ich jetzt natürlich sagen: ,,Als Schulleiter hat man doch keine Freizeit‘‘ – so fühlt sich das jedenfalls manchmal an. Aber natürlich hat man die – und man muss sie sich auch nehmen. Work-Life-Balance spielt ja eine ganz wichtige Rolle für ein langes und gesundes Arbeitsleben. Da ich vom Sport komme, muss ich mich in der Freizeit häufig einfach mal bewegen. Dem aktiven Handballsport habe ich zwar schon seit einigen Jahren Ade gesagt – früher habe ich Handball sehr intensiv als Leistungssport betrieben. Aber ich spiele aktuell noch in einer Tennismannschaft und fahre sehr viel Fahrrad, mittlerweile auch Rennrad. Gelegentlich gehe ich noch wandern und im Winter fahre ich Ski. Das alles macht mir sehr viel Spaß. Ach ja, und sehr lange habe ich in Bands gespielt, u.a, haben wir früher regelmäßig die Abibälle am Stein bespielt. Heute mache ich privat hin und wieder Musik.

Was halten Sie von Klassenfahrten (insbesondere von Wangerooge)?
Ich glaube, dass wir am Stein ein gutes und interessantes Fahrtenprogramm haben. Die Wangerooge-Törns darf man ja nicht nur als einfache Klassenfahrt verstehen, sondern als Schullandheimaufenthalt. Wangerooge ist für mich nach wie vor die wichtigste Fahrt im Fahrtenprogramm, nicht nur aufgrund der langen Tradition, sondern v.a. auch aus pädagogischen Gründen und den besonderen Möglichkeiten des Inselaufenthaltes im Haus am Meer. Ich erachte ein breites Angebot an Fahrten als sehr wichtig. Zum einen wegen der vielen neuen Eindrücke und Erfahrungen, die man als Schüler dabei gewinnen kann, zum andern aber auch deshalb, weil sich Lehrer und Schüler mal in anderen Kontexten außerhalb der täglichen Schulumgebung wahrnehmen können.

Was finden Sie am FvS gut? Was würden Sie verändern?
Der wertschätzende Umgang, den sowohl Lehrer als auch Schüler miteinander pflegen, ist an dieser Schule sicherlich etwas Besonderes. Elternarbeit ist ein sehr zentraler Aspekt, wenn man an die Bibliothek oder die Schulcafeteria denkt. Das starke Engagement, welches von Schülern und Lehrern ausgeht, sorgt für eine hohe Dynamik und tolle Leistungen am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. Und das bezieht sich auf alle Bereiche, die das besondere Profil unserer Schule ausmachen, ob in der Musik, den Sprachen, den Natur- und Gesellschaftswissenschaften oder im Sport. Mit dem spezifischen und qualitativ hochwertigem Profil unserer Schule sind wir nicht nur im Stadtteil, sondern in der gesamten Hammer Bildungslandschaft gut aufgestellt.

Was waren besondere Erlebnisse in Ihrer Schulzeit?
Der Schulleiter an meinem alten Gymnasium hat mich mal am Ohr gezupft, als ich bei irgendeinem Streich erwischt wurde. Aber das hat der mit ganz vielen gemacht. Ich komme ja nicht von hier, ich bin in Letmathe, dem „Tor zum Sauerland“ bzw. „dem I-Punkt von Iserlohn“ zur Schule gegangen. Das war eine gute Schulzeit, mit vielen Freunden, mit vielen Aktionen, mit viel Sport, und im Verlauf der Oberstufe dann auch mit viel Musik in verschiedenen Bands. Meine vergleichsweise „unbeschwerte“ Schulzeit war vielleicht auch mit ein Grund dafür, den Lehrerberuf zu wählen.

Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Da fällt mir spontan ein Bonhoeffer-Zitat ein: „Man muss sich durch die kleinen Gedanken, die einen ärgern, immer wieder hindurchfinden zu den großen Gedanken, die einen stärken‘‘. Das würde ich jetzt nicht direkt als mein Lebensmotto bezeichnen, es ist aber eine Leitlinie, an der ich mich gut orientieren kann und die oft sehr hilfreich ist.

Haben Sie bestimmte Vorbilder?
In meiner Jugend haben mich natürlich Lehrer geprägt, im Sport waren es häufig meine Trainer. Ich habe kein festes Vorbild, dem ich nacheifere, aber natürlich treffe ich in den unterschiedlichsten Zusammenhängen immer wieder interessante Menschen, die mich beeindrucken und von denen ich etwas mitnehmen kann.

Haben Sie schon einmal etwas von Schülern gelernt?
Ich bin jeden Tag immer wieder positiv überrascht, welche Perspektiven und Ideen Schüler haben. Man erkennt relativ schnell das Potenzial von Schülern, was mich auch in gewisser Weise zu diesem Beruf gebracht hat. Ich habe in meiner langen Lehrerkarriere immer wieder Schüler kennengelernt, bei denen ich mir dachte: „Der kann das richtig gut, der entwickelt sich prima, von dem kannst du ja sogar noch was lernen‘‘.

Wie würden Sie sich selbst bezeichnen?
Ich würde mich als einen Lehrer bezeichnen, der sich natürlich den verbindlichen Lehrplänen verpflichtet sieht, der aber auch eine Wahrnehmung hat für das, was Schüler interessiert und was Schüler bewegt. Als Lehrer ist mir eine gute Unterrichts- und Lernatmosphäre wichtig. Und da darf auch mal gelacht werden - ohne dass man damit gleich das Ziel aus den Augen verliert.. Humor ist eine wichtige und lernfördernde Komponente des Unterrichts

Was halten Sie von EVA?
Meine Sicht der Dinge ist, dass Schüler, die in der Oberstufe sind und vermutlich irgendwann einmal studieren wollen, sich der Notwendigkeit disziplinierten eigenverantwortlichen Arbeitens stellen müssen – je konsequenter, umso besser. Ich weiß, dass man manchmal keine Lust hat und alle möglichen Vorwände findet. Aber Hand aufs Herz: Es gibt immer sinnvolle Lern-, Übungs- oder Wiederholungsaufgaben, die im Rahmen von EVA erledigt werden können.

Welche Person würden Sie gerne einmal treffen bzw. mit dieser reden wollen?
John Fogerty, er war Sänger der Band CCR, welche ich früher neben den Beatles – die würde ich auch gerne mal treffen – viel gehört und gespielt habe. Chris Martin von Coldplay und Sting würde ich auch gerne mal treffen. Als Geograph könnte ich mir – natürlich per Zeitmaschine - auch vorstellen, mal ein paar Tage mit Entdeckern wie Alexander von Humboldt oder Marco Polo Orte zu reisen.

Haben Sie eine interessante Anekdote?
Mir fällt spontan ein Schüler einer früheren Klasse 7 ein, der sich im Klassenschrank versteckt hat, aber irgendwie so „unauffällig“, dass alle einschließlich Lehrer wussten, wo er war. Er aber wähnte sich unentdeckt. Den haben wir dann die gesamte Stunde über schön im Schrank sitzen lassen – und mal richtig hochgenommen, indem wir dann immer wieder über ihn geflachst und Sprüche gemacht oder gefragt haben, wo er denn wohl sei. Es ist dabei sogar ein lustiges Gedicht über den „Klassenschrank“ entstanden. Die Schüler haben sich gebogen vor Lachen, aber der im Schrank hat es nicht bemerkt.

Wenn man für das Leben lernen sollte, was würden Sie den Schülern mitgeben?
Ich glaube nicht, dass es da eine bestimmte Message gibt. Alles, was man in der Schule lernt, lernt man weder für die Lehrer, noch für die Eltern, noch für gute Noten. Man lernt für sich selbst, erwirbt eine Wissensgrundlage und Kompetenzen, damit man dass, was in Studium, Ausbildung, Beruf oder ganz allgemein im Leben an Neuem auf einen zukommt, sinnvoll „andocken“ und vernetzen kann. Man muss sich auch klarmachen, dass man später im Leben nie wieder die Möglichkeit hat, z.B. Sprachen so ausgiebig und intensiv zu lernen, wie dies in der Schule möglich ist.

             
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