Ein Tagungssaal im NH Hotel, gut zweihundert Zuhörerinnen und Zuhörer und eine Band in Hawaiihemden – die Rockage des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums begeistert bei der PV-Tagung des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW.
Es gibt Auftritte, bei denen weiß man vorher, was passiert. Und es gibt Köln. Am 3. September machte sich die Rockage auf den Weg zur PV-Tagung des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW (BLB) – jener Institution, die Finanzämter, Gerichte, Hochschulen und andere Gebäude des Landes errichtet und betreibt. In keinem davon stöpselt üblicherweise jemand eine Gitarre ein. Vierhundert Teilnehmende waren angemeldet, der Dresscode lautete Casual Business.
Getrennte Wege, gleiches Ziel
Nach der zweiten Stunde war der Schultag beendet. Statt Pausenhof: einladen. Die Logistik lief dann zweigleisig. Der ehemalige Stein-Schüler Fabian Amft fuhr die komplette Backline mit dem Stein-Bulli nach Köln – Instrumente, Technik, alles, was schwer ist und trotzdem heil ankommen muss. Die Band selbst reiste unter der Leitung von Gina Oertel und in Begleitung von Manuel Meinhardt mit dem Zug an. Vom Kölner Hauptbahnhof ging es zu Fuß zum Hostel. Eine halbe Stunde, mit Gepäck. Einchecken, kurz durchatmen und danach direkt noch einmal eine halbe Stunde vom Hostel zum NH Hotel. Der erste Punkt auf einer Liste, die im Laufe der zwei Tage noch länger werden sollte.
Die Bühne: klein, aber richtig
Der Blick auf die Bühne war der zweite Punkt. Die Fläche war eine Herausforderung, freundlich formuliert. Wer schon einmal ein Schlagzeug, mehrere Amps und eine komplette Band auf wenigen Quadratmetern untergebracht hat, kennt das Tetris. Dafür saß die Position perfekt: mitten im Geschehen, mit direkter Sichtachse in den Saal. Man kann viel improvisieren, aber keine schlechte Bühnenposition.
Vorspeise, Hauptgang, Besteckordnung
Vor dem Soundcheck ging es ans Buffet, und zwar als Erste. Opulent trifft es. Die einzige Auflage: die Reihenfolge des bereitgelegten Bestecks einhalten, von außen nach innen. Eine Band, die einen 7/8-Takt zusammenhält, bekommt auch ein Fischmesser sortiert. Das Bühnenoutfit der Band bestand an diesem Abend aus Hawaiihemden. Der Dresscode der Tagung lautete Casual Business. Die Auffassungen davon, was „casual" bedeutet, lagen damit ungefähr achttausend Kilometer auseinander.
Zwischen zwanzig Kellnerinnen und Kellnern und mehreren hundert Tagungsgästen fiel die Rockage entsprechend auf. Auffallen war an diesem Abend keine Option, sondern die Ausgangslage. Der Nebeneffekt: Man war bekannt, bevor der erste Ton gespielt war.
21 Uhr, dritter Song
Kurzer Soundcheck, dann los. Eröffnet wurde mit „Eye of the Tiger". Wer einen Saal voller Tagungsgäste vor sich hat, steigt nicht mit einer Ballade ein. Im Vorfeld hatte die Vermutung im Raum gestanden, dieses Publikum hätte vielleicht lieber ein Streichquartett oder einen Jazzabend gehabt. Dann kam Nummer drei: „Wake Me Up When September Ends". Gespielt am 3. September. Der Saal sang mit. Von da an ging es nur noch in eine Richtung. Über „Shut Up and Dance", „Down in the Past" und „Leave a Light On" stieg die Stimmung mit jedem Stück, bis das reguläre Set schlicht nicht mehr ausreichte.
Erste Zugabe: „Have a Nice Day" von Bon Jovi
Danach war immer noch nicht Schluss, also kam „Shut Up and Dance" ein zweites Mal – dieses Mal saß der Textim Publikum bereits. Nach dem Konzert kamen zahlreiche Gäste persönlich an die Bühne, um sich zu bedanken. Nicht höflich-distanziert, sondern so, wie man sich nach einem Konzert bedankt, das man nicht erwartet hat.
Abbau um Mitternacht
Danach packten alle an. Instrumente, Technik, Kabel, alles zurück in den Stein-Bulli. Der Rückweg zum Hostel: der dritte Fußmarsch dieses Tages, wieder eine halbe Stunde, diesmal nach einem kompletten Konzert. Ankunft gegen Mitternacht, erschöpft und ziemlich glücklich.
Tag zwei: Sport statt Soundcheck
Nach dem Frühstück stand das Deutsche Sport- und Olympiamuseum auf dem Programm. Dort blieb es nicht beim Anschauen – einige Sportarten wurden direkt ausprobiert. Wer den Abend zuvor mit „Eye of the Tiger" eröffnet hat, kommt an einer Runde Rocky-Energie ohnehin nicht vorbei. Erstaunlich, was Arme noch leisten, die zwölf Stunden vorher Boxen geschleppt haben.
Die Bahn gibt zwei Zugaben
Die Rückfahrt verlief exakt so, wie man es sich vorstellt: 45 Minuten Verspätung bei der Abfahrt, unterwegs kamen weitere 30 dazu. Damit hat auch die Deutsche Bahn an diesem Wochenende zwei Zugaben gegeben. Nur wollte die niemand.
Was bleibt
Drei Fußmärsche mit Gepäck, schwere Kisten, ein Publikum außerhalb der eigenen Zielgruppe, ein Auftritt bis in die Nacht und eine Rückfahrt mit anderthalb Stunden Bonus. Jeder einzelne dieser Punkte hätte die Stimmung kippen lassen können. Ist nicht passiert. Weil eine Band, die einen Tagungssaal zum Mitsingen bringt, an einer Zugverspätung nicht scheitert.
Danke an Gina Oertel für die Leitung und an Manuel Meinhardt für die Begleitung. Ein besonderer Dank geht an Fabian Amft: Er hat die Schule als Schüler längst verlassen und begleitet die Rockage trotzdem weiterhin zu solchen Auftritten, um sich um Transport und Technik zu kümmern. Ehemalige, die wiederkommen und anpacken, sind der eigentliche Luxus einer AG.
Und Danke an die Rockage – die in Köln gezeigt hat, dass sie überall funktioniert.
Die Setlist
1. Eye of the Tiger – Survivor
2. Sleeping in My Car – Roxette
3. Wake Me Up When September Ends – Green Day
4. Chasing Cars – Snow Patrol
5. Shut Up and Dance – Walk the Moon
6. Run – Snow Patrol
7. Down in the Past – Mando Diao
8. Leave a Light On – Papa Roach
9. Breakfast at Tiffany's – Deep Blue Something
10. Best of You – Foo Fighters
Zugaben: Have a Nice Day – Bon Jovi · Shut Up and Dance – Walk the Moon