Menü
Desktop Mobil

Wieder sind wir auf der Autobahn, diesmal nach Frankfurt, zum SchoolJam-Finale der letzten 8 Bands, die von 1350 übrig geblieben waren. Dort übernachten wir in einer Jugendherberge...

Am nächsten Morgen bringt ein Bus uns auf das Gelände der Frankfurter Messe, wo um diese Zeit schon einiges los ist. Der Bus hält, lädt uns und unsere Instrumente aus, die wir dann in Richtung Festhalle schleppen. Wir gehen einige  breite, lichtdurchflutete Gänge entlang und betreten durch zwei doppelflügelige Holztüren  die Halle.
WOM, der Oberkiefer fällt runter, man erstarrt in Ehrfurcht vor dem, was man sieht. Ich hatte ja im Internet schon Bilder von der Festhalle gesehen, aber die Wirklichkeit sprengte alle meine Vorstellungen. Eine riesiger Kuppelbau, 40(!!)m hoch, weit über uns Zuschauerränge wie Spielzeug, in der Mitte unter dem Zentrum der Kuppel ein riesiges Rondell mit Scheinwerfern und LED-Wänden, zu unserer Rechten eine Bühne, darüber hängend eine Lichtanlage, die allerhöchsten professionellen Ansprüchen gerecht wurde. Ich weiß es nicht, waren es 2000, 3000 oder vielleicht sogar noch mehr Scheinwerfer und Laser, die dort installiert waren? Dazu hingen über der Bühne riesige drei- und fünfeckige Raumelemente, die auf und ab bewegt werden konnten, die als Projektionsfläche für die enormen Laser dienten, die auf der Gegenseite der Halle standen.

Schlagzeug, andere Instrumente und Künstler, die auf der Bühne gerade Soundcheck machten, wirkten wie einer Puppenstube entnommen.
Ehrfürchtig näherten wir uns der Bühne, wurden dort von Ebi, dem Chef der Firma, die das hier alles aufgebaut hatte, in Empfang genommen. Er war ganz locker, erklärte uns alles, machte uns mit dem Ablauf des Tages und der Bühne bekannt. Das Schlagzeug stand auf einem etwa 80cm hohen Podest, davor waren 6m Bühne, deren Rand durch die Monitore gebildet wurde, dann folgte eine etwas niedrigere Ebene der Bühne, die man auch benutzen konnte. Und das alles auf einer Breite von etwas 20 Metern. Alles, was man uns gezeigt und erklärt hatte, Ausstattung und Bühnenpersonal, wirkten auf uns extrem professionell.
Von der Bühne blickte man in die gigantische, noch fast menschenleere Halle und bekam ein etwas flaues Gefühl im Magen.
Da Schooljam nicht die einzige Veranstaltung an diesem Tag auf dieser Bühne war, gab es ein sehr enges Zeitkorsett für Soundcheck und Wettbewerb.
Dazwischen fanden andere Veranstaltungen statt, Preisverleihungen und Vorführungen, die die unglaublichen Möglichkeiten dieser Lichtanlage demonstrierten. Zu einer sicherlich extra dafür komponierten Musik wurde die Festhalle in ein Lichtinferno getaucht, dass zum Schluss mit Feuereffekten garniert ein Crescendo erfuhr, das seinesgleichen sucht. Der Münder standen offen, es fehlten einem die Worte. Ein Tag der Superlativen.
 
Dann war es endlich soweit. 15.15 Uhr, der SchoolJam-Moderator betritt die Bühne, sagt einige Worte zum Wettbewerb und kündigt dann die erste Band an: John Apart. Und Mann, die waren richtig gut, es wurde deutlich, warum die es bis hierher geschafft hatten. Ähnliches galt für die nächsten Bands. Wir standen an sechster Stelle, also, die drittletzte Band, was kein schlechter Startplatz ist. Der Bus mit den Fans vom Stein, Michael Hesse und Frau Begett vom WA waren auch mittlerweile da. Die Stein-Fans waren ganz aufgeregt, diese unbeschreibliche Atmosphäre in der Halle, die sich mittlerweile mit gut 2000 Menschen gefüllt hatte, viele saßen oder lagen auf dem orangefarbenen Teppichboden und konzentriertzen sich auf das, was auf der Bühne geschah.
Die fünfte Band verlässt die Bühne, ROCKAGE steht in den Startlöchern, baut die Keyboards auf, wirkt etwas verloren auf dieser riesigen Bühne. Aber egal, Bange machen gilt nicht. Es kann losgehen.
 
Die Spannung steigt, die 2000 Scheinwerfer über und vor der Band stehen still. Der Moderator kündigt die Band an, offensichtlich weiß er über den Bus mit den Stein-Fans Bescheid, die er extra begrüsst. Die antworten darauf mit einem frenetischen Gekreische. Das macht Mut.
Dustin beginnt mit dem Intro von Revenge, er steht an seinen Synthies, seine linke Hand bewegt sich langsam auf und ab, während sich der Ton wie von Zauberhand gesteuert verändert.
Die Anderen stehen in sich gekehrt auf der Bühne, bewegen sich kaum, nur Leonie und Sharon heben langsam die Arme, als Levins Gitarre dazukommt.  Beschwörend bewegen sie in Zeitlupe ihre Arme, lassen sie sinken, beginnen mit dem einsetzenden Bass mitzuwippen, bevor dann der Sturm losbricht, Drums, Bass und Gitarre einsetzen, als ob der Jüngste Tag angebrochen ist. Die Mädchen springen in die Luft wie Flummibälle, man weiß gar nicht, wohin man zuerst schauen soll, auf der Bühne ist der Teufel los.


Dazu explodiert die Lichtshow, Scheinwerfer flammen auf, verändern im Takt der Musik ihre Farben, bewegen sich geisterhaft über die Bühne und durch die Halle, Laser schicken ihr bleistiftdünnen Strahlen in allen Farben durch den Raum, werden zu Flächen, drehen sich um ihre eigene Achsen, und das alles in einer atemberaubenden Geschwindigkeit. Die Luft ist in Bewegung, Millionen von Scheinwerfern und Lasern kleiden die Musik der Band in ein surreales Gewand, soetwas haben wir noch nie erlebt. Das wäre was fürs Stein, denke ich und grinse still in mich hinein.
Aus der Entfernung gesehen und gehört könnten dort auch Madonna oder Metallica auf der Bühne stehen, ein solches Licht auf einer solchen Bühne, dazu die vielen Zuschauer, das muss sich auf der Bühne fantastisch anfühlen.
Dann kehrt etwas Ruhe ein, Leonie beginnt zu singen, dazu Sharons unglaublich hohen zweiten Stimmen. Alles klappt, wie wir es einstudiert haben, ist sogar noch besser, jetzt ist alles ein Teil der Band, nichts Eingeübtes mehr. Die Woche Extraproben in den Ferien hat sich gelohnt.
Dann ist Levins Solo an der Reihe, auf den großen Bildschirmen links und rechts der Bühne sieht man in Großaufnahme seine Finger, wie sie über die Saiten fliegen, die Töne perfekt singen und jaulen lassen, dass es eine wahre Freude ist. Dann hört man nur noch Schlagzeug und Bass, alle klatschen dazu im Takt, Dustin bearbeitet seinen Synthie, als wolle er ihn in die ewigen Jagdgründe der Tasteninstrumente befördern, die Anderen steigen wieder ein.
Dann ist Revenge zu Ende, durchatmen, Konzentration auf das zweite Stück, In the name of, das ähnlich wie Revenge beginnt, aber ein noch härtere Rocker ist. Wieder stehen alle in sich gekehrt auf der Bühne, die magische Hand Dustins moduliert sphärenhaft den Synthie-Ton, die Anderen kommen wieder dazu und dann bricht der zweite Hurrikan an diesem Tag über die Festhalle herein, die Mädchen quecksilbern über die Bühne, springen über die Monitore in den unteren Bühnenbereich, laufen zurück auf die obere Bühne, alles ist in Bewegung. Trotzdem treffen sie immer noch die richtigen Töne. Nach seinem zweiten, wieder mitreißenden Solo steht Levin auf der anderen Bühnenseite bei Dustin und seinen Keyboards, Maik steht vor dem Schlagzeug und schaut Yannik an, alle feuern sich gegenseitig an, das macht Spass.
Am Ende stehen alle vor dem Schlagzeug vereint, haben die Arme umeinander gelegt und erwarten den letzten Akkord, für den dann Yannik, Maik und Levin sorgen, alle schauen sich glücklich an und ins Publikum, das mit tosendem Applaus reagiert. „Das was ROCKAGE aus Hamm, ihr ward ein geiles Publikum!“
Ein wenig erschöpft aber glücklich bis über die Haarspitzen verlässt die Band die Bühne, der Adrenalinspiegel ist noch am Anschlag (Leonie: Am Liebsten würde ich jetzt noch unser komplettes Programm spielen!).
Das war der vielleicht beste Auftritt, den eine Rock-AG je gespielt hat, alle Ängste, die vorher da waren, diese Riesenhalle, diese Riesenbühne, das ganze Drum und Dran, nichts war bei dem Auftritt zu spüren, alles wurde in positive Energie umgesetzt.
Leider hat die Jury offensichtlich andere Prioritäten gesetzt, sodass am Ende eine andere Band als Sieger gekürt wurde, aber das tat niemandem mehr weh, denn was ROCKAGE hier auf die Bühne gebracht hat, hat bewiesen, dass die Band zurecht zu den 8 besten Nachwuchsbands Deutschlands im Jahre 2015 gehört. Darauf können die Band und auch das Stein stolz sein.
Man hatte zwar nicht oben auf dem Treppchen gestanden, aber alle waren sich einig darüber, dass diese beiden Tage in Frankfurt  ein unvergessliches Erlebnis bleiben werden, wer kann schon von sich behaupten, in der Frankfurter Festhalle auf der Bühne gestanden und 2000 Zuschauer begeistert zu haben. Diese Gefühl kann einem niemand mehr nehmen.
 




             
Zum Seitenanfang ,