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­Im Laufe des aktuellen Schuljahres werden alle Computer in unserer Schule auf das kostenlose Opensource Betriebssystem Ubuntu Linux umgestellt. Doch wie kam es zu den Überlegungen und warum haben wir uns zu diesem Schritt entschieden?

Insgesamt umfasst das EDV-System am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium derzeit etwas mehr als 100 Computer, die allesamt (noch) mit Windows XP und dem betagten Microsoft Office 2003 betrieben werden. Wäre es sinnvoller, einen einzigen Computerraum mit wenigen Computern der allerneuesten technischen Spezifikation auszustatten oder stattdessen lieber Abstriche bei der Leistungsfähigkeit in Kauf zu nehmen, um möglichst viele Computer in mehreren Räumen bereitstellen zu können?
Um möglichst vielen Schülerinnen und Schülern den Zugang zu Computern zu ermöglichen, haben wir uns als Schule ganz klar für die letztgenannte Option entschieden. Da alle vorhandenen Computer für die schulischen Anforderungen ausreichend leistungsstark sind, werden die bestehenden Geräte nicht ausgetauscht sondern lediglich aufgerüstet, soweit dies nicht bereits schon erfolgt ist.


Derzeitige und zukünftige Software
Dass das derzeitige Betriebssystem Windows XP für den weiteren Einsatz nicht geeignet ist, steht außer Frage, zumal es seit April 2014 keinerlei Sicherheitsupdates mehr gibt. Auch das eingesetzte Büropaket Microsoft Office ist in der Version von 2003 als stark veraltet anzusehen. Doch während es für das Betriebssystem immerhin die theoretische Option zum Upgrade auf Windows 7 gäbe, wurde seitens der Stadt Hamm die Entscheidung zum Wechsel auf ein kostenloses Büropaket getroffen, so dass keine zentrale Beschaffung einer schulweiten Lizenz für ein neues Microsoft Office angedacht ist. Angesichts der Kosten ist dieser Schritt absolut logisch und nachvollziehbar, zumal alle in der Schule anfallenden Aufgaben problemlos mit kostenlosen opensource Lösungen bearbeitet werden können. Nicht ohne Grund wurde in den letzten drei Jahren der Workshop zur Gestaltung und Formatierung der Facharbeiten in der Q1 ausschließlich auf LibreOffice ausgerichtet. Nebenbei ergeben sich so zwei erwähnenswerte Vorteile:

(1) Alle Schülerinnen und Schüler können ohne weitere Kosten mit exakt der gleichen Software zuhause und in der Schule arbeiten. Etwaige Versionskonflikte entfallen aktuell und auch zukünftig, da sowohl zuhause als auch in der Schule neuere Versionen kostenlos erhältlich sind.

(2) Da LibreOffice plattform-unabhängig ist, also sowohl für Linux, Windows und Apple-Computer verfügbar ist, ist auch der Austausch von Dateien zwischen diesen Systemen nahezu problemlos möglich.

Es stellt sich nun die Frage: Warum nicht auch ein kostenloses opensource Betriebssystem? Warum nicht Linux?

Linux in der Schule hätte viele Vorteile: Mit einem Linux-Betriebsystem wären alle Computer der Schule stets kostenlos auf dem aktuellen Stand zu halten. Linux lässt sich angenehmer administrieren und darüber hinaus gibt es typischerweise weniger Bedrohungen durch Viren und andere Schadsoftware.

Die Nachteile sollen an dieser Stelle nicht verschwiegen werden: Kaum jemand kennt Linux, obwohl es als Serverbetriebssystem weit verbreitet ist und dort sogar den Markt dominiert. Dabei benutzen viele Menschen ohne es zu wissen täglich Linux-Systeme, die sich in vielen Smartphones, Navigationssystemen, Spielkonsolen, Fernsehgeräten, BluRay- & DVD-Playern oder Receivern verbergen. Viele der gewohnten Programme, die ganz selbstverständlich unter Windows laufen, wollen nicht so recht unter Linux funktionieren. Aber für viele gibt es gute Alternativen, die in der Regel dazu ebenfalls kostenlos und oftmals sogar plattform-unabhängig sind. Da zunehmend viele Lernangebote in Form von Cloud-Lösungen oder interaktiven Webseiten angeboten werden, verliert gerade das Argument fehlender Software mehr und mehr an Bedeutung.


Universelle Kompetenzen versus Produktschulung
Kann in einer allgemeinbildenden Schule sinnstiftend mit einem Linux-Betriebssystem gearbeitet werden? Dies ist mit einem ausdrücklichen „Ja“ zu beantworten, denn wie in allen Fächern geht es auch bei dem Erlernen des Umgangs mit den Computern in der Schule nicht darum, den Umgang mit einem bestimmten Programm zu erlernen. Vielmehr steht die Vermittlung universeller Kompetenzen im Mittelpunkt, mit der sich ganz verschiedene Computersysteme bedienen lassen: Wer beispielsweise weiß, wozu eine Datei kopiert und eingefügt werden kann und den Unterschied zum Ausschneiden einer Datei kennt, wird dies nach kurzer Eingewöhnung auf jedem EDV-System können. Im Unterricht vermittelte Kompetenzen lassen sich also problemlos auf zu Hause vorhandene Windows-, Apple- oder Linux-Systeme übertragen.

Bei der Wahl des Linux-Betriebssystems entschieden wir uns bewusst für Ubuntu, da es sich zum Ziel gesetzt hat, ein möglichst einfach zu bedienendes Betriebssystem anzubieten.


Visionen
Sowohl der Einsatz von Linux auf den Schulcomputern, die Verwendung von LibreOffice und auch der Verzicht auf topaktuelle Hardware dämpfen die Ausgaben, so dass mit dem an dieser Stelle eingesparten Geld an anderer Stelle Visionen umgesetzt werden können: Zunächst werden alle Räume im Neubau flächendeckend mit Computern, Beamern und Visualizern ausgestattet. Letztere sind spezielle Formen von digitalen Kameras, die es ermöglichen, Hefte, Bücher oder sonstige Materialien direkt mit dem Beamer auf die Leinwand zu projizieren. Zeitraubende Tafelanschriebe gehören damit der Vergangenheit an. Durch die geschickte Ausnutzung der bereits vorhandenen Leitungen ist es zudem möglich, ein komplett autonomes zweites Netzwerk für den Betrieb eines flächendeckenden WLAN-Netzwerkes aufzubauen, womit in Zukunft auch die Integration von mobilen Geräten möglich sein wird.

Anders als das vorgestellte iPad-Konzept der Stadt ist hier die Umsetzung eines BYOD-Prinzips (Bring Your Own Device = also das Mitbringen und Benutzen von privaten Laptops, Tablets, Smartphones, etc.) angestrebt, da gerade Tablets eher benutzerspezifisch konfiguriert und somit nicht für den Gebrauch mit ständig wechselnden Benutzern vorgesehen sind.


Großbaustelle – oder das Stein auf eigenen Wegen
Die erwähnten Veränderungen gehen natürlich nicht ohne teils gravierende Änderungen an der Serverlandschaft einher. Wie eingangs erwähnt wird auch das Server-Betriebssystem auf eine kostenlose opensource Version aus Baden-Württemberg umgestellt, wodurch alle Schülerinnen und Schüler, aber auch alle Lehrerinnen und Lehrer neue Passwörter und Benutzerlogins erhalten.
 

Mit den Erfahrungen aus den zurückliegenden Experimenten wurde in den Sommerferien ein neuer, nun nicht mehr experimenteller Server in Betrieb genommen, der derzeit parallel zum alten System läuft. Momentan werden lediglich die Rechner im IF-1 von diesem Server bedient, so dass das zukünftige System samt des neuen Ubuntu-Betriebssystem auf den Arbeitsplatz-Computern durch ausgewählte Kurse auf Herz und Nieren getestet werden kann, ehe es flächendeckend auf die übrigen Computer der Schule ausgeweitet wird. Dieser Wechsel wird aller Voraussicht nach mit Beginn des zweiten Halbjahres anstehen. Zuvor erhalten alle Lehrerinnen und Lehrer am pädagogischen Tag eine intensive Einführung in die Nutzung des neuen Systems, so dass dieses sicher im Unterricht eingesetzt werden kann.

 

             
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