Jeder, der in den letzten Monaten den Schulalltag miterlebt hat, kann es kaum nicht bemerkt haben: unzählige Schülerinnen und Schüler ebenso wie Lehrerinnen und Lehrer arbeiten inzwischen mit Tablets. Vereinfacht ein solches den Schulalltag? Lohnt es sich, mehrere hundert Euro für ein Tablet auszugeben oder sind Stift und Papier noch immer die beste Option?
In einigen Klassen und Kursen sind es teils mehr als 50% der Schülerinnen und Schüler, die ihren Unterricht mit Tablets beschreiten. Das ist kein Wunder, denn so ein Tablet hat das Potential, zum ultimativen Lernwerkzeug zu werden. Gleichermaßen vermag es gerade bei weniger leistungsorientierten Schülerinnen und Schülern schnell für Ablenkung zu sorgen. Einige Eltern werden sich angesichts dessen sicherlich fragen: Lohnt es sich, meinem Kind zum Schuljahreswechsel ein Tablet zu kaufen?
Im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern, die schon seit längerem Tablets zu Lernzwecken benutzen, ist eines ganz deutlich geworden: Keiner von ihnen redet in irgendeiner Form von einer Fehlentscheidung. Stattdessen zeigen sich die meisten begeistert, sagen vor allem, dass sie organisierter geworden seien. Davon abgesehen verändere so ein Tablet etwas an der Arbeitshaltung - es sei einfach aufregender, Notizen an einem Tablet anzufertigen beziehungsweise damit zu lernen. Die Lehrerinnen und Lehrer der befragten Schülerinnen und Schüler hätten Nichts dagegen, dass Tablets in ihrem Unterricht benutzt werden.
Sowohl die Schülerinnen und Schüler aus der Q1, mit denen anlässlich dieses Artikels gesprochen wurde, als auch Lehrerinnen und Lehrer geben aber zu bedenken, dass es gerade bei jüngeren Schülerinnen und Schülern zweimal zu überlegen gelte, ob ein Tablet zur Nutzung in der Schule empfehlenswert sei. Aus gutem Grund: Auf dem Tablet braucht es wenige Sekunden, um von der App zum Anfertigen von Notizen auf eine solche Internetseite oder in eine solche App zu wechseln, die in keiner Weise etwas mit dem Unterricht zu tun hat. Stift und Papier haben offensichtlich weitaus weniger Potenzial, abzulenken.
Davon abgesehen ist es ganz und gar kein Ding der Unmöglichkeit, auch bei der Verwendung von Collegeblock beziehungsweise Heft und Schnellhefter Ordnung zu halten und das meiste von dem, was Apps zum Anfertigen von Notizen können, kann man genauso gut auf einem Blatt Papier. Der mögliche Eindruck, Schülerinnen und Schüler mit Stift und Papier seien hinsichtlich ihrer schulischen Leistungsfähigkeit gegenüber denjenigen Schülerinnen und Schülern benachteiligt, die zum Schreiben auf Gerätschaften zurückgreifen, deren Anschaffungskosten im dreistelligen Bereich liegen, ist schlicht und ergreifend falsch.
Dem gegenüber steht ein Argument, welches heute schwerer wiegt denn je: Die Nutzung eines Tablets als Collegeblock- beziehungsweise Heftersatz über einen längeren Zeitraum (!) ist ein Beitrag für die Umwelt. All die Papiermassen, die ein Schüler normalerweise verbraucht, können durch die Nutzung eines Tablets zum Schreiben eingespart werden. Auch Arbeitsblätter und sogar ganze Schulbücher sind statt in Papierform zumeist auch digital verfügbar. Collegeblöcke, Hefte, Schnellhefter und Schulbücher reduziert auf einen Block aus Kunststoff, Metall und Glas in DIN A5-Format - das bedeutet darüber hinaus nicht nur weitaus weniger Gewicht, das herumgetragen werden muss, sondern zudem auch noch, dass nichts von dem zuvor Genannten mehr vergessen werden kann.
Im Schulalltag kann sich das Tablet also als enorm nützlich erweisen und eine Anschaffung scheint auch vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit lohnenswert. Andererseits sind die Kosten für ein brauchbares Gerät meist hoch und Stift und Papier tun es immerhin auch noch. Ältere Schülerinnen und Schüler, die vor der Entscheidung für oder gegen ein Tablet stehen, sollten sich die Frage stellen, ob das Tablet sie zu einem besseren Schüler machen würde, ob es sie organisierter werden ließe, als sie es ohnehin schon sind und ob das Tablet vielleicht sogar motivierend wirken könnte.
Jene Eltern von jüngeren Schülerinnen und Schülern, die sich fragen, ob es eine gute Idee wäre, ihrem Kind ein Tablet für die Schule anzuschaffen, sollten sich selbstverständlich ähnliche Fragen stellen. Eine Frage kommt allerdings noch hinzu, dessen ehrliche Beantwortung im Zentrum der Überlegungen für oder gegen ein Tablet stehen sollte: Trauen Sie Ihrem Kind zu, verantwortungsvoll mit einem Tablet als Lernwerkzeug umzugehen und es auch als ein solches zu verwenden? Falls ja und falls die hohen Anschaffungskosten Ihnen nichts ausmachen, dann steht einem Kauf nichts mehr im Wege. Andernfalls seien Sie sich aber dessen sicher, dass der Collegeblock beziehungsweise das Schulheft dem Tablet zu Lernzwecken noch immer mindestens ebenbürtig ist, was sich so schnell auch nicht ändern wird.